Das Irrationale bändigen

Die Finanzmärkte haben sich in den vergangenen Jahrzehnten weitaus dynamischer entwickelt, damit stiegen jedoch auch die Gefahren. Wie kann man sie stabilisieren? Ein Algorithmus könnte die Lösung sein. Dieser Vorschlag ist bescheiden und unbescheiden zugleich. Bescheiden, weil er einen simplen durch einen Algorithmus leicht realisierbaren Dämpfungsmechanismus im Geiste der Tobin-Steuer vorschlägt. Die Koppelung der Einnahmen an die Instabilität der Finanzmärkte wäre auch fiskalpolitisch wünschenswert: dann, wenn die Turbulenzen der Finanzmärkte aller Voraussicht nach zu institutionellen Maßnahmen und zur staatlichen Stabilisierung aufrufen, würden entsprechende Mittel fließen, deren Genese zugleich die Krise dämpft. Und schließlich hat unser Vorschlag den Charme, dass er auch mit den Praktiken des high frequency trade kompatibel ist, ja durch diese Praktiken nahegelegt wird.  Schließlich könnte man diesen Vorschlag auch als liberaler denn die üblichen Konzeptionen einer Tobin-Steuer nennen, da er Finanztransaktionen so lange weitgehend unbeeinflusst lässt, als keine Anzeichen der Instabilität auftreten.

Auszug aus “Das Irrationale bändigen”  Gastbeitrag vom 21.07.2016 erschienen im Handelsblatt von Julian Nida-Rümelin und Albrecht von Müller.

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