Interview DRadio-Kultur zur Debatte um das Beschneidungsurteil

Dem DeutschlandradioKultur habe ich früh am Morgen ein Interview anlässlich der anhaltenden Auseinandersetzung mit dem Urteil des Kölner Landgerichts bezüglich der Beschneidung minderjähriger Jungen. An dieser Debatte zeigt sich besonders gut, welche wichtige Rolle die Philosophie im öffentlichen Diskurs einnehmen kann. Die Philosophie ermöglicht eine kritische Auseinandersetzung mit den vielfältigen Positionen in der Debatte und kann die Frage nach der Kohärenz dieser Position stellen. Wo gliedern sich Normen richtig in unsere etablierten Vorstellungen von Moral ein, wo aber präsentieren sich plötzlich widersprüchliche Normen?



Umstritten ist sowohl das Dafür- wie auch Dagegenhalten in der Debatte um die Vorhaut-Beschneidung an minderjährigen Jungen auf beiden Seiten keineswegs. In den USA gibt es sowohl einen medizinischen Diskurs, der eine Empfehlung für oder gegen Vorhautbeschneidung aus medizinischer Perspektive untersucht, aber auch eine etablierte Praxis der Beschneidung, die u.a. auf die Unterbindung der Masturbation zurückgeht. Auch erweisen sich die Positionen innerhalb der jüdischen oder muslimischen Gemeinden zum eigenen religiösen Ritus vielfältiger als es oft dargestellt wird.

Unstrittig ist jedoch, dass wir — in Einklang mit der UN-Kinderrechtskonvention — es unbedingt vermeiden sollten, Säuglingen extremen und traumatische Schmerzen bewusst zukommen zu lassen. Es bietet sich daher ein Kompromiss an, wie er in Schweden bereits Anwendung findet, die Beschneidung zuzulassen, allerdings nur unter der Vorraussetzung, dass dem Kind kein traumatisierendes Schmerzerlebnis zugemutet wird. Auf jeden Fall bleibt der Gesetzgeber gefragt, eine Regelung zu finden.

Der Beitrag zum Nachlesen

Veröffentlicht in Allgemein, Interviews, Politik Getagged mit: , , ,